
JTL-Wawi einrichten des SQL-Servers für die Mehrbenutzerumgebung – und wie Odoo das Thema Mehrbenutzer löst
JTL-Wawi ist eine Client-Server Anwendung und somit auch mehrbenutzerfähig. Auch dann, wenn JTL-Wawi inklusive SQL-Server auf einem Computer installiert ist. Als zentraler Datenspeicher eignet sich zum Beispiel ein handelsüblicher Computer mit zwei gespiegelten Festplatten, auf dem Windows Home Server 2011 (WHS 2011) installiert ist. Passende Hardware ist im Handel schon ab 500 € zu erhalten. Hinzukommen noch die Home Server Lizenz mit 50 € und die Kosten für Installation und Einrichtung. Mehr Informationen zum Windows Home Server gibt es auf https://www.home-server-blog.de und bei Microsoft direkt.
Es geht natürlich auch darum, die Datenbank von JTL-Wawi auf einem Windows XP, Windows Vista oder Windows 7 Client freizugeben. Ich empfehle dieses nur bedingt. Wie die Installation der Datenbank und von JTL-Wawi durchgeführt wird können Sie hier nachlesen:
Installation Microsoft SQL Server 2008 RTM – Express
Installation JTL-Wawi Einzelplatz Client
Jetzt geht es darum, den Datenbankserver so einzurichten, dass die Computer im Netzwerk auf diesen Zugriff können. Im ersten Schritt werden wir den SQL-Server für den Zugriff über das Netzwerk einrichten.
Systemvoraussetzungen:
Windows Home Server 2011 oder Windows 7 alle Editionen
SQL Server 2008 R2 RTM
Schritt 1: Konfigurieren der Datenbank
Öffnen Sie im Startmenü → Alle Programme → Microsoft SQL Server 2008 R2 → Konfigurationstools den SQL Server-Konfigurations-Manager.
Navigieren Sie im SQL Server-Konfigurations-Manager zu SQL Server Netzwerkkonfiguration → Protokolle für ‘JTL-Wawi’.
Mit der rechten Maustaste auf TCP/IP klicken und im Kontextmenü Aktivieren anklicken.
Die Warnung mit OK bestätigen.
Mit der rechten Maustaste auf Named Pipes klicken und im Kontextmenü Aktivieren anklicken.
Die Warnung mit OK bestätigen.
Mit der rechten Maustaste nochmals auf TCP/IP klicken und im Kontextmenü Eigenschaften auswählen.
Den Reiter IP-Adressen auswählen und alle IPv6 Adressen auf Aktiviert → Nein Stellen.
Alle IPv4 Adressen müssen auf Aktiviert → Ja gesetzt werden.
Das Eigenschaftsfenster von TCP/IP mit OK schließen und die Warnung mit OK bestätigen.
Im SQL Server-Konfigurations-Manager SQL Server-Dienste auswählen und in der Menüleiste auf „Dienst neu starten” klicken.
Anschließend wird der SQL Server Dienst beendet und wieder neu gestartet. Danach kann der SQL Server-Konfigurations-Manager geschlossen werden.
Jetzt können Rechner im Netzwerk über die Protokolle TCP/IP oder Named Pipes mit dem SQL-Server kommunizieren. Einziges Hindernis ist jetzt nur noch die Firewall. Hier müssen noch die entsprechenden Ports für den SQL-Server freigeschaltet werden.
Schritt 2: Konfiguration Firewall
Entweder Start → Ausführen und im Suchfeld firewall.cpl eingeben und anschließend die Entertaste drücken oder am Server starten → Verwaltung → Windows-Firewall mit erweiterter Sicherheit anklicken.
In der Firewall Eingehende Regeln anwählen und rechts unter Aktionen auf „Neue Regel…” klicken.
Programm als Regeltyp auswählen und auf „Weiter” klicken.
Auf „Durchsuchen” klicken.
sqlservr.exe auswählen (abhängig vom Installationsort, hier Laufwerk D:\Program Files\Microsoft SQL Server\MSSQL10_50.JTL-Wawi\MSSQL\Binn). Anschließend auf Öffnen klicken. Tipp: Am besten vorher die Datei im Explorer suchen. Im Pfad sollte der Instanz-Name JTL-Wawi enthalten sein.
Weiter.
Verbindungen zulassen und auf Weiter klicken.
Weiter.
Namen vergeben, z.B. SQL-Server, und auf Fertigstellen klicken.
Dieser Assistent muss jetzt noch zweimal durchlaufen werden. Klicken Sie also gleich wieder im Fenster Firewall auf „Neue Regel…”.
Wählen Sie Port als Regeltyp und klicken Sie auf Weiter.
Wählen Sie TCP als Protokoll und geben als Port 1433 ein.
Verbindungen zulassen und auf Weiter klicken.
Weiter.
Einen Namen für die Regel vergeben, z.B. SQL-Server TCP, und auf Fertigstellen klicken.
Zum letzten Mal auf „Neue Regel…” klicken.
Als Regeltyp Port auswählen und auf Weiter klicken.
Wählen Sie UDP als Protokoll und geben als Port 1434 ein.
Verbindungen zulassen auswählen und auf Weiter klicken.
Weiter.
Einen Namen für die Regel vergeben, z.B. SQL-Server UDP, und auf Fertigstellen klicken.
Damit sind alle notwendigen Konfigurationsarbeiten für eine Mehrbenutzerumgebung von JTL-Wawi auf der Seite des SQL Servers abgeschlossen. Bei der Installation der Arbeitsplätze muss nur darauf geachtet werden, dass bei der Eingabe des Datenbankservers der richtige Name mit der richtigen Instanz angegeben wird, z.B. Server\JTL-Wawi.
Und wie löst Odoo das Thema Mehrbenutzer?
Wer diese Anleitung einmal komplett durchgearbeitet hat, merkt schnell, wie viel technisches Detailwissen für eine funktionierende JTL-Mehrbenutzerumgebung nötig ist: SQL-Server-Konfiguration, TCP/IP- und Named-Pipes-Protokolle, IPv6-Einstellungen und mehrere Firewall-Regeln für unterschiedliche Ports müssen sauber zusammenspielen, damit mehrere Arbeitsplätze überhaupt auf dieselbe Datenbank zugreifen können. Da wir bei eBakery neben JTL auch Odoo-Projekte umsetzen, lohnt sich an dieser Stelle ein Blick darauf, wie ein modernes ERP-System wie Odoo dasselbe Ziel erreicht – nämlich mit deutlich weniger technischem Aufwand.
Bei Odoo ist Mehrbenutzerfähigkeit kein zusätzlicher Einrichtungsschritt, sondern von Grund auf Teil der Architektur. Da Odoo, insbesondere in der Online-Variante, ohnehin als zentrale, webbasierte Anwendung läuft, entfällt die gesamte hier beschriebene Netzwerk- und Firewall-Konfiguration komplett. Es gibt keinen lokalen SQL-Server, dessen Protokolle einzeln aktiviert werden müssen, und keine Ports, die manuell in der Firewall freigeschaltet werden müssen. Neue Arbeitsplätze greifen einfach über den Browser auf dieselbe zentrale Datenbank zu, unabhängig davon, ob sie im selben Büro oder an einem ganz anderen Standort stehen.
Auch bei einer selbst gehosteten Odoo-Installation, bei der man die volle Kontrolle über die eigene Infrastruktur behalten möchte, ist der Konfigurationsaufwand für Mehrbenutzerzugriff spürbar geringer als bei JTL. Odoo läuft dabei über einen zentralen Anwendungsserver, der intern mit der Datenbank kommuniziert; für den Zugriff der Arbeitsplätze muss lediglich der Webserver über die üblichen Standard Ports erreichbar gemacht werden, statt für jedes einzelne Datenbankprotokoll eine gesonderte Firewall-Regel einzurichten. Das technische Spezialwissen rund um SQL-Server-Netzwerkkonfiguration, wie es für JTL nötig ist, entfällt bei Odoo damit weitgehend.
Was beim Umstieg sonst noch zu beachten ist, erklärt unser Leitfaden Von JTL zu Odoo wechseln.
Ein weiterer Unterschied betrifft die Skalierung. Kommen bei JTL neue Arbeitsplätze hinzu, ändert sich an der grundsätzlichen SQL-Server-Konfiguration zwar nichts mehr, doch die Erstinstallation und Fehlersuche bei Verbindungsproblemen bleibt technisch anspruchsvoll – die Kommentare unter der Originalanleitung zu dieser Anleitung zeigen das ebenfalls, etwa wenn nach einem Neustart des Servers unerwartet gemeldet wird, dass keine Verbindung zum SQL-Server hergestellt werden konnte. Bei Odoo Online entfällt dieses Risiko komplett, weil Nutzer einfach über die Benutzerverwaltung hinzugefügt werden, ohne dass irgendetwas an die Server Konfiguration angepasst werden müsste.
Was das für die eigene Praxis bedeutet
Für IT-affine Unternehmen, die ohnehin einen eigenen Windows-Server betreiben und das nötige Fachwissen im Haus haben, ist die hier beschriebene SQL-Server-Konfiguration ein einmaliger, gut dokumentierter Aufwand, der sich anschließend über Jahre bewährt. Für kleinere Teams ohne eigene IT-Abteilung kann genau dieser Schritt aber schnell zur größten Hürde beim Einstieg in eine Mehrbenutzerumgebung werden, gerade wenn Fehlermeldungen wie fehlgeschlagene Named-Pipes-Verbindungen erst im laufenden Betrieb auftauchen.
Bei eBakery unterstützen wir Kunden regelmäßig sowohl bei der Einrichtung von JTL-Mehrbenutzer Umgebungen als auch beim Umstieg auf Odoo, wenn der technische Aufwand einer lokalen SQL-Server-Infrastruktur nicht mehr im Verhältnis zum Nutzen steht. Wer sich unsicher ist, ob die eigene JTL-Serverkonfiguration noch zeitgemäß und stabil eingerichtet ist, oder wer grundsätzlich prüfen möchte, ob eine cloud basierte Odoo-Lösung den Verwaltungsaufwand für das eigene Team reduzieren würde, kann sich gerne bei uns melden. Wir kennen beide Wege aus zahlreichen Projekten und schauen uns die eigene Infrastruktur gerne im Detail an.
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